Hilfe zur Selbsthilfe seit 30 Jahren: Intensive Betreuung und Begleitung von Familien

Sie gehört seit 30 Jahren zu den wichtigsten Familien unterstützenden und begleitenden Einrichtungen in Karlsruhe, die Sozialpädagogische Familienhilfe Karlsruhe (SPFH). 1989 im Rahmen der bundeweit geführten Heimdiskussion und der Jugendhilferechtsreform gegründet, besteht die SPFH heute aus einer zukunftsweisenden Partnerschaft von drei wichtigen Karlsruher Institutionen der ambulanten, sozial betreuenden und sozialpädagogisch unterstützenden Familienarbeit: Die AWO Karlsruhe, der Sozialdienst katholischer Frauen (SkF)
und der Verein für Jugendhilfe Karlsruhe.

Seit drei Jahrzehnten arbeitet die SPFH mit Familien, die aufgrund der persönlichen Lebensgeschichte ihrer Mitglieder, Eltern und ihre Kinder, bei der Bewältigung des Alltags Unterstützung benötigen, um eine dem Wohl des Kindes dienende Erziehung leisten zu können. Das Angebot richtet sich an Familien, deren Lebenssituation durch Themen wie Erziehungsschwierigkeiten, Verhaltensauffälligkeiten bei Kindern, soziale Isolation, aber auch Migrationsbedingte Schwierigkeiten, Armut, Arbeitslosigkeit oder Tod eines Familienmitgliedes geprägt ist.

In einer Feierstunde zum Jubiläum im Bürgerzentrum Südstadt ging es jedoch weniger um die großen Töne des Lobes, sondern vielmehr um eine Wertschätzung der Arbeit von inzwischen 76 Mitarbeiter*innen. So betonten sowohl Jürgen Ganter, Geschäftsführer des SkF, als auch Sozialbürgermeister Dr. Martin Lenz in Ihren Grußworten und Jubiläumsbotschaften die Unabdingbarkeit der präventiven, integrativen wie inklusiven Arbeitsschwerpunkte der ambulanten Karlsruher Familienhilfe.

*AWO Mitarbeiter*innen der SPFH

Es geht um ein äußerst komplexes Arbeitsgebiet, das spiegelte der eigens zur  Veranstaltung von der Karlsruher Agentur „Emotionsdesign“ entwickelte Kurzfilm deutliche wieder: Vor allem Menschen dort abzuholen, wo sie stehen und ihnen Hilfe zur Selbsthilfe zu bieten. Die von den Mitarbeiter*innen der SPFH geleistete Soziale Arbeit ist dabei eine wichtige Arbeit für die Stadtgesellschaft!

War die Sozialpädagogische Familienhilfe Ende der 80er Jahre keine Selbstverständlichkeit,  rückt sie heute zusehends in den Blickpunkt einer gesellschaftspolitischen Diskussion. Dabei sollte vor allem ein fachlich intensiver wie gesellschaftskritischer Standpunkt der Sozialarbeiter*innen und Sozialpädagog*innen nie in den Hintergrund geraten, so der Ansatz des zur Jubiläumsveranstaltung eingeladenen Referenten Professor Dr. Frank Bettinger, Sozialwissenschaftler an der Berufsakademie Wilhelmshaven und Mitbegründer des AKS, „Arbeitskreis Kritische Soziale Arbeit“.  In seinem Fachvortrag „Plädoyer für eine kritische und politische Soziale Arbeit“ betonte er sowohl die Bedeutung einer professionellen, theoretischen Grundlage für die Soziale Arbeit als auch die Notwendigkeit eines Bewusstseins gegenüber politik-ökonomischen Entwicklungen, neoliberalen Gesellschaftsstrukturen und darauf fußendem staatlichen Handeln. „Es geht darum, den sozialpädagogischen Blick unbedingt zu erweitern. Sozialarbeit*innen waren stets Expert*innen für gesellschaftliche Normalität. „Nur die Soziale Arbeit selbst bestimmt was soziale Arbeit ist“, so Bettinger in seinem Plädoyer.

Der Sozialexperte wies auch darauf hin: Armut und Ungleichheit, strukturelle Benachteiligung und prekäre finanzielle Rahmenbedingungen sind zentrale Themen der Sozialen Arbeit. Es sind nicht die Familien, die aus der gesellschaftlichen Norm fallen, sondern die gesellschaftlichen Grundalgen, die Familien, Eltern und ihre Kinder aus dem Gleichgewicht bringen.*Fachvortrag von Prof. Dr. Frank Bettinger

Ein starkes Bild gab es zum Abschluss der Jubiläumsveranstaltung: In einer Timeline, einer nach Zeitetappen in 5- Jahres-Schritten eingeteilten Präsentation aller aktuellen Mitarbeiter*innen der SPFH auf der Bühne des Bürgerzentrums Südstadt, ging es um eine Würdigung ihres vorbildlichen, beruflich-sozialen Engagements  seit 30 Jahren.*Alle Mitarbeiter*innen der SPFH in Karlsruhe – AWO, SkF und VfJ