Zwei kleine Busse, eine Handvoll Schulanfänger*innen und eine Tüte voller Fragen: Der Besuch der Kita Pamina in der französischen Nachbargemeinde Lauterbourg war mehr als nur ein Ausflug. Es war die Fortsetzung einer langjährigen Kooperation, die zeigt, dass Verständigung auch ohne viele Worte funktioniert.

Von Karlsruhe nach Lauterbourg: Die Vorbereitungen begannen schon Wochen zuvor, ganz ohne Reisegepäck. In kleinen Heften hatten die Schulanfänger*innen der Kita Pamina festgehalten, was sie bewegt und wer sie gerne wären: „Wenn ich ein Superheld wäre…“ oder „Wenn ich ein Tier wäre…“ Die pädagogische Fachkraft Kélyne Suss brachte diese persönlichen Vorstellungen über die Grenze. Die Antwort aus der „École Maternelle“ in Lauterbourg kam prompt: Eine Einladung und ein großes Pop-up-Plakat zum „Märchen von Goldlöckchen“.

Am Dienstag, den 13. Januar, folgte schließlich der Gegenbesuch. In der Turnhalle der französischen Partner-Kita trafen die Gruppen aufeinander. Statt mühsamer Vokabelarbeit setzte man auf das, was der Orientierungsplan Baden-Württemberg im Bildungsfeld „Sprache“ als wertvolle Erfahrung mit einer Begegnungssprache vorsieht: Lieder und Bewegungsspiele dienten als Brücke. Sprachbarrieren spielten kaum eine Rolle, während man gemeinsam versuchte, Reifen – als Symbol für den traditionellen Dreikönigskuchen – durch den Raum zu rollen.

Könige für einen Nachmittag: Das pädagogische Konzept hinter der Reise zielt auf interkulturelle Kompetenz ab. Das wurde besonders beim gemeinsamen Essen der „Galette des Rois“ deutlich. In dem traditionellen Blätterteigkuchen ist eine kleine Figur versteckt. Wer sie findet, ist für einen Tag König – in diesem Jahr das deutsch-französische Duo Leo und Venba. Beim Basteln der Papierkronen und dem gemeinsamen Spiel in den Klassenzimmern zeigte sich, dass die Kinder Unterschiede eher als Bereicherung denn als Hindernis wahrnehmen. Die im Orientierungsplan verankerte Förderung der sozialen Entwicklung geschieht hier beiläufig, im echten Erleben.

Ein nachhaltiger Eindruck: Bevor es mit den AWO-Kleinbussen zurück nach Karlsruhe ging, präsentierten die deutschen Kinder noch ihr selbst gestaltetes Tannenbaum-Plakat – ein Gruß aus den heimischen Familienfeiern.

Dass das Projekt wirkt, zeigte sich am späten Nachmittag. Ein Kind berichtete seiner Mutter kurz nach der Ankunft, es sei der schönste Ausflug gewesen, den es je erlebt habe. Für die Kita Pamina bleibt dieser Austausch ein fester Baustein, um zu vermitteln, dass Europa direkt vor der Haustür beginnt.

Januar 2026