24.07.2026 / AWO Karlsruhe

Ein Rückblick auf zwei Einrichtungen, die im selben Jahr begannen und bis heute zeigen, was Teilhabe für Wohnen und Arbeit bedeuten kann.

Seit 2001 unterstützen das Wohnhaus Leo 11 und das AWO Arbeitsprojekt Menschen mit psychischen Erkrankungen und Menschen in sozialen Notlagen dabei, ihr Leben möglichst selbstbestimmt zu gestalten. Beim gemeinsamen Jubiläumsfest am 16.07.2026 blickten Bewohner*innen, Beschäftigte und Mitarbeitende auf 25 Jahre zurück und auf eine Entwicklung, die weit über die beiden ursprünglichen Angebote hinausreicht.

Menschen stehen im Sonnenschein an einem Stehtisch und singen.

Der Chor des Tagesstrukturangebots Lichtblick gestaltete das Jubiläumsfest musikalisch.

Als im Jahr 2001 die ersten Bewohner*innen in die Leopoldstraße 11 einzogen, war vieles noch im Aufbau. Das Team war neu zusammengestellt, die Räume gerade erst fertiggestellt, Regeln und Abläufe mussten gemeinsam entwickelt werden. Gleichzeitig nahm das AWO Arbeitsprojekt mit zunächst fünf Beschäftigten in der damaligen Wäscherei seine Arbeit auf. „Die erste Zeit war sehr turbulent“, erinnerte sich Manfred Kirchner, Geschäftsbereichsleiter Wohnen, Arbeit und Sucht, bei der Jubiläumsfeier. Gemeinsam mit seiner damaligen Kollegin Alexandra Kastner hatte er das Wohnhaus noch während der letzten Bauarbeiten mit vorbereitet. Innerhalb weniger Monate füllte sich das Haus. Auch die Nachfrage nach Beschäftigungs- und Unterstützungsangeboten stieg schnell.

Von der Leo 11 zu einem vernetzten Hilfesystem

In den folgenden Jahren wurden die Angebote kontinuierlich erweitert und an neue Bedarfe angepasst. Die Zahl der Wohnplätze in der Leo 11 erhöhte sich von zunächst 21 auf 28. Hinzu kamen ambulante Wohnangebote, Übergangswohnen und weitere Unterstützungsformen für Menschen mit psychischen Erkrankungen oder ohne eigene Wohnung. Auch das AWO Arbeitsprojekt entwickelte sich weiter. Die Beschäftigten übernahmen im Laufe der Jahre ganz unterschiedliche Aufgaben: von handwerklichen Arbeiten und Renovierungen über Dienstleistungen bei Veranstaltungen bis zu kreativen Tätigkeiten. Heute eröffnet das AWO Arbeitsprojekt Menschen, die auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt nur schwer Zugang finden, Möglichkeiten zur Beschäftigung, Tagesstruktur und sozialen Teilhabe. Rund 180 Menschen arbeiten heute in unterschiedlichen Arbeitsbereichen.

Zum Arbeitsprojekt gehört außerdem das eigene Produktlabel HEARTWORK. Aus der ursprünglichen Verbindung von Wohnhaus und Arbeitsprojekt entstand ein eng vernetzter Verbund. Dazu gehören heute unter anderem Angebote der Wohnungslosenhilfe, ambulante Assistenzleistungen sowie das Tagesstrukturangebot Lichtblick. Von der Leo 11 aus entwickelte sich nach und nach der heutige Geschäftsbereich Wohnen, Arbeit und Sucht mit seinen unterschiedlichen Wohn-, Beschäftigungs- und Unterstützungsangeboten. Dieser Weg war von zahlreichen Veränderungen geprägt. Gesetzliche Reformen, neue Finanzierungsbedingungen und fachliche Weiterentwicklungen erforderten immer wieder Anpassungen. Angebote wurden ausgebaut, neu konzipiert oder mussten, wie die frühere Wäscherei, aus wirtschaftlichen Gründen beendet werden. Möglich war diese Entwicklung vor allem durch das Engagement der Mitarbeitenden, betonte Kirchner: „Ohne euch wäre dieser Weg nicht möglich gewesen.“

Teilhabe ist mehr als ein gesetzlicher Anspruch

Markus Barton, Geschäftsführer der AWO Karlsruhe, würdigte die Arbeit der vergangenen 25 Jahre als Ausdruck einer klaren Grundhaltung: Menschen mit psychischen Erkrankungen seien Bürgerinnen und Bürger mit denselben Rechten wie alle anderen. Sie verfügten über Fähigkeiten und Potenziale, die gesehen und gefördert werden müssten. Die Angebote rund um die Leo 11 seien deshalb nicht allein als Betreuung oder Versorgung zu verstehen. Ihr Ziel sei es, gesellschaftliche Teilhabe zu ermöglichen: beim Wohnen und Arbeiten ebenso wie im privaten, kulturellen und politischen Leben. Diese Haltung müsse auch unter schwieriger werdenden politischen und finanziellen Rahmenbedingungen verteidigt werden. Selbstbestimmung und Teilhabe dürften, so Barton, „nicht nur ein schöner Spruch in Sonntagsreden oder in Gesetzen“ bleiben. Sie müssten im Alltag tatsächlich möglich sein. Zentral gelegene Wohnangebote wie die Leo 11 leisten dazu einen wichtigen Beitrag. Menschen leben nicht außerhalb der Stadtgesellschaft, sondern mitten im Quartier. Sie sind als Nachbar*innen, Kolleg*innen und Bürger*innen sichtbar und können am gesellschaftlichen Leben teilnehmen.

„Danke, Leo 11“

Was diese Unterstützung für den Einzelnen bedeuten kann, beschrieb Bewohner Martin Lasar in seiner Rede. Seit mehr als zwei Jahrzehnten lebt er in der Leo 11. Er erinnerte an gemeinsame Urlaubsreisen, Ausflüge und Freizeitangebote, aber auch an Menschen, die das Haus im Laufe der Jahre verlassen haben oder verstorben sind. Vor allem sprach er über die Sicherheit, die ihm das Wohnhaus gibt: über Mitarbeitende, die bei persönlichen Sorgen ebenso unterstützen wie bei amtlichen Angelegenheiten, über gemeinschaftliche Mahlzeiten und über einen begrünten Innenhof, den er als Ort der Erholung erlebt. „Ich bin nach dieser langen Zeit froh und sehr zufrieden, dass ich hier leben darf“, sagte Lasar. Seine Rede endete mit zwei einfachen Worten: „Danke, Leo 11.“

Geschäftsführer Markus Barton eröffnete das Jubiläumsfest und würdigte 25 Jahre Leo 11 und AWO Arbeitsprojekt als Orte der Teilhabe und Selbstbestimmung. Leo 11 Einrichtungsleiter Frank Göring und Geschäftsbereichsleiter Wohnen, Arbeit, Sucht Manfred Kirchner blickten auf die Anfänge der Einrichtung und ihre Entwicklung in den vergangenen 25 Jahren zurück.

Rote Pappe mit Bildern vom Umbau der Leo.Ein gemeinsames Jubiläum

Das Jubiläumsfest wurde von Bewohner*innen, Beschäftigten und Mitarbeitenden aus der Leo 11 und dem Arbeitsprojekt gemeinsam vorbereitet. Der Chor des Tagesstrukturangebots Lichtblick und ein Bewohner von Leo gestalteten das Programm musikalisch. Beim anschließenden Grillfest kamen Gäste, Nachbar*innen und Wegbegleiter*innen miteinander ins Gespräch und konnten die Räumlichkeiten kennenlernen. Gewürdigt wurde zugleich das 25-jährige Dienstjubiläum von Manfred Kirchner, der seine berufliche Laufbahn bei der AWO Karlsruhe 2001 als Sozialarbeiter in der Leo 11 begann. Markus Barton dankte ihm für seine langjährige Loyalität, seine ruhige und besonnene Art und seinen Einsatz für die Menschen im Geschäftsbereich.

25 Jahre Leo 11 und AWO Arbeitsprojekt stehen für eine Geschichte stetiger Veränderung. Ihr Kern ist jedoch geblieben: Menschen erhalten Unterstützung, ohne dass ihnen die Verantwortung für das eigene Leben abgenommen wird. Sie finden Wohnraum, Beschäftigung, Gemeinschaft und verlässliche Ansprechpersonen und damit Voraussetzungen, um ihr Leben nach den eigenen Möglichkeiten und Vorstellungen zu gestalten.

Hier geht’s zum neuen Produktkatalog der Werkstatt und Nähstube des AWO Arbeitsprojekts: Heartwork – AWO Karlsruhe