
Die neue Doppelspitze des AWO Kreisverbands Karlsruhe-Stadt e. V.: Karen Eßrich und Oliver Hill. Foto: Lukas Megnin Fotografie.
14.10.2026 / AWO Kreisverband Karlsruhe-Stadt e. V.
Kreiskonferenz in Grötzingen: Karen Eßrich und Oliver Hill übernehmen gemeinsam den Vorsitz, sechs Anträge setzen sozialpolitische Schwerpunkte, langjährig Engagierte feierlich verabschiedet.
Ein neuer Vorstand, klare sozialpolitische Positionen und bewegende Abschiede: Bei der Kreiskonferenz des AWO Kreisverbands Karlsruhe-Stadt e. V. am 10. Oktober 2026 in Grötzingen wurden wichtige Weichen für die kommenden Jahre gestellt. Die 45 Delegierten wählten Karen Eßrich und Oliver Hill mit jeweils 43 Ja-Stimmen zu gleichberechtigten Vorsitzenden. Sie folgen auf Monika Storck, die den Kreisverband seit 2020 geführt hatte. Die Entscheidung für eine Doppelspitze hatten die Delegierten zuvor einstimmig getroffen.
Mit Karen Eßrich und Oliver Hill kommen unterschiedliche Erfahrungen und Perspektiven zusammen: Eßrich bringt ihre kommunalpolitische Erfahrung und ihre langjährige Verbundenheit mit den AWO Stadtbezirken und dem AWO Ortsverein Grötzingen ein, Hill seine Erfahrung aus der Arbeit des Kreisjugendwerks. Beide wollen den Verband gemeinsam weiterentwickeln, unterschiedliche Sichtweisen zusammenführen und Verantwortung teilen.
Eßrich warb für einen Vorstand, der „noch politischer wird. Nicht parteipolitischer, aber sozialpolitischer“. Angesichts von Rassismus, rechtsextremen Kräften und wachsendem Druck auf soziale Angebote müsse die AWO ihre Stimme erheben. Die Mitglieder wurden eingeladen, ihre Ideen und Anliegen aktiv einzubringen.
Ehrenamtliches Engagement in den Stadtteilen
Der AWO Kreisverband lebt vor allem vom vielfältigen Engagement seiner ehrenamtlich Aktiven. Vier AWO Begegnungsstätten in der Oststadt, Rüppurr, Südstadt und Südweststadt bieten Raum für Austausch und Gemeinschaft. In den Stadtteilen engagieren sich die AWO Stadtbezirke Dammerstock/Weiherfeld, Daxlanden, Oberreut/Grünwinkel, Ost, Rüppurr und Südweststadt/Weststadt sowie der AWO Ortsverein Grötzingen. Mit Seniorentreffen, gemeinsamen Ausflügen und weiteren Veranstaltungen schaffen die Ehrenamtlichen Begegnungsmöglichkeiten und stärken den Zusammenhalt in den Karlsruher Stadtteilen.

Der neu gewählte Vorstand des AWO Kreisverbands Karlsruhe-Stadt e. V. (v.l.): Tino Besekow, Emrah Aksu, Karen Eßrich, Daniela Vondrasek, Sonja Döring, Lisa Pföhler und, Luca Schneider (Vors. vom Kreisjugendwerk), Anna Andreeva Portman, Markus Barton, Oliver Hill, Michael Hinsberger-Musiol, Marius Neu, Norbert Henschl, Daniel Kaestner, Andreas Hirsch-Weber, Nicht auf dem Bild sind: Gerda Willig, Judith Marvi, Peter Hoffmann und Anna Maier. Foto: Lukas Megnin Fotografie.
Soziale Infrastruktur erhalten statt kaputtsparen
Neben den Vorstandswahlen standen sechs Anträge im Mittelpunkt der Kreiskonferenz. Mit ihnen bekräftigt die AWO ihren Anspruch, die soziale Entwicklung Karlsruhes aktiv mitzugestalten. Unter dem Titel „Sozialstaat stärken statt kaputtsparen“ fordert der Kreisverband, kommunale Einsparungen nicht pauschal nach dem Rasenmäherprinzip vorzunehmen. Stattdessen müssten die Auswirkungen und langfristigen Folgekosten einzelner Maßnahmen sorgfältig geprüft werden. Träger, Beschäftigte, Ehrenamtliche und Betroffene sollen frühzeitig beteiligt werden.
Ein weiterer Antrag richtet sich gegen die pauschale Einstufung sozialer Leistungen als freiwillige Angebote, wenn diese gesetzliche Aufgaben erfüllen oder dafür erforderlich sind. Die AWO fordert eine auskömmliche Finanzierung der Kommunen, damit sie ihren sozialen Verpflichtungen dauerhaft nachkommen können. Auch das Projekt „Individuelle Unterstützung beim Deutschlernen“ soll langfristig finanziell abgesichert werden. Ehrenamtliche begleiten Menschen beim Erlernen und Anwenden der deutschen Sprache. Die bisherige städtische Förderung von jährlich 10.000 Euro steht zur Diskussion.
- Blick auf die Kreiskonferenz des AWO Kreisverbands Karlsruhe-Stadt e. V. in Grötzingen.
- Die Delegierten stimmen über die Anträge der Kreiskonferenz ab.
Demokratie stärken und Jugendwerk enger einbinden
Ein weiterer Beschluss setzt sich für den Erhalt und die Weiterentwicklung demokratischer Beteiligungsrechte ein. Insbesondere geplante gesetzliche Änderungen, die höhere Quoren für Bürgerbegehren und Bürgerentscheide vorsehen, sollen kritisch überprüft werden. Zwei Anträge kamen aus dem Kreisjugendwerk. Ziel ist es, die Zusammenarbeit mit dem Kreisvorstand weiter zu vertiefen und das Kreisjugendwerk stärker in laufende Prozesse einzubeziehen. Zudem soll geprüft werden, ob künftig eine zweite stimmberechtigte Vertretung des Kreisjugendwerks im Kreisvorstand möglich ist. Fünf Anträge wurden einstimmig angenommen, der Antrag zur Bürgerbeteiligung ohne Gegenstimmen bei einer Enthaltung.
Anerkennung für die Arbeit der AWO
Sozialbürgermeisterin Yvette Melchien würdigte in ihrem Grußwort die Bedeutung der AWO für die soziale Infrastruktur Karlsruhes. Besonders hob sie die Begegnungsangebote gegen Einsamkeit und Ausgrenzung sowie das Zusammenspiel von haupt- und ehrenamtlichem Engagement hervor.
Uwe Presler, Vorsitzender des AWO Bezirksverbands Baden e. V., warb angesichts des wachsenden Drucks auf den Sozialstaat für eine engere Zusammenarbeit zwischen Bezirks- und Kreisverband und eine gemeinsame sozialpolitische Stimme.
- Yvette Melchien spricht am Rednerpult auf der Bühne; im Vordergrund sitzen Teilnehmende.
- Monika Storck und Uwe Presler bei der Verleihung der Ehrenmedaille des AWO Bezirksverbands Baden e. V.
- Gerolf Heberling spricht bei der Kreiskonferenz des AWO Kreisverbands Karlsruhe-Stadt e. V. am Rednerpult.
Ein bewegender Abschied und besondere Ehrungen
Neben dem Aufbruch mit einem neu gewählten Vorstand war die Kreiskonferenz auch von persönlichen Erinnerungen, Dankesworten und bewegenden Momenten geprägt. Eine besondere Auszeichnung erhielt Monika Storck: Uwe Presler verlieh ihr für ihr außerordentliches Engagement die Ehrenmedaille des AWO Bezirksverbands Baden e. V. In einer sehr persönlichen Laudatio würdigte er ihren langjährigen Einsatz für die Arbeiterwohlfahrt. Storck hatte seit 2002 im Kreisvorstand Verantwortung übernommen und unter anderem die AWO Flüchtlingshilfe und die Hanne-Landgraf-Stiftung mitgeprägt. Auch nach ihrem Abschied vom Kreisvorsitz bleibt sie der AWO in verantwortungsvollen Funktionen verbunden: als Aufsichtsratsvorsitzende der AWO Karlsruhe gemeinnützige GmbH und als Vorsitzende des Stiftungsrats der Hanne-Landgraf-Stiftung.
Ein weiterer festlicher Höhepunkt war die Ernennung von Monika Storck und Gerolf Heberling zu Ehrenvorstandsmitgliedern des Kreisverbands. Heberling gehörte dem Vorstand 27 Jahre als Beisitzer an. Besonders in der AWO Flüchtlingshilfe und beim Projekt Daos setzte er sich in den vergangenen Jahren intensiv ein. Aus dem Vorstand schieden außerdem Elke Bonning, Hans-Ulrich Dehnicke, Dagmar Jergler und Daniel Weichsel aus. Auch die langjährige Tätigkeit der beiden Revisoren Günther Krennrich und Volker Ebendt endete mit der Kreiskonferenz: Krennrich gehört der AWO seit 66 Jahren an und war drei Jahrzehnte als Revisor tätig. Ebendt ist seit 51 Jahren Mitglied und engagiert sich weiterhin im AWO Ortsverein Grötzingen. Die ausscheidenden Vorstandsmitglieder bleiben dem Kreisverband weiterhin verbunden. Die Kreiskonferenz würdigte damit das langjährige Engagement vieler Menschen, die sich über Jahre und Jahrzehnte für die AWO eingesetzt haben.
Gemeinsam die Zukunft gestalten
Mit dem neuen Vorstand beginnt für den rund 900 Mitglieder starken AWO Kreisverband Karlsruhe-Stadt e. V. eine neue Phase. Die Beschlüsse der Kreiskonferenz zeigen zugleich, welche Themen die Arbeit in den kommenden Jahren prägen werden: der Einsatz für einen starken Sozialstaat, demokratische Beteiligung, gesellschaftlichen Zusammenhalt und eine lebendige Verbandsarbeit über Generationen hinweg.
Baden TV hat Karen Eßrich und Oliver Hill nach ihrer Wahl zur Doppelspitze interviewt. Das Gespräch ist ab Minute 11:55 zu sehen Zum Beitrag
Außerdem sprach Baden TV mit Monika Storck über ihren Abschied aus dem Vorstand. Zum Interview









