08.04.2026 / AWO Karlsruhe gemeinnützige GmbH
In den 18 Kitas der AWO Karlsruhe wird Ernährung als Bildungsaufgabe verstanden. Kinder erleben im Alltag, wie gesunde und nachhaltige Ernährung entsteht. Sie kaufen gemeinsam ein, gärtnern, bereiten Mahlzeiten zu und entwickeln so Schritt für Schritt ein Gefühl für Lebensmittel und Geschmack. Pädagogische Konzepte und ernährungswissenschaftliche Empfehlungen geben dabei den Rahmen.
Ernährung ist mehr als Versorgung
Es beginnt oft mit einer einfachen Handlung. Ein Kind gießt eine Pflanze, beobachtet ihr Wachstum und probiert später das selbst geerntete Gemüse. In den 18 Kindertageseinrichtungen der AWO Karlsruhe gemeinnützige GmbH gehört genau das zum Alltag.
Ernährung wird hier nicht als reine Versorgung gedacht, sondern als Lernprozess. Hochbeete, Kräuterspiralen und gemeinsame Kochaktionen schaffen Erfahrungsräume, in denen Kinder Verantwortung übernehmen, Geduld entwickeln und Selbstwirksamkeit erleben. Einrichtungen wie die „Klinikzwerge“ zeigen exemplarisch, wie Bildung, Gesundheit und Nachhaltigkeit zusammenwirken.
Neue Standards verändern die Praxis
Die aktuellen Qualitätsstandards der Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) setzen klare Impulse. Sie empfehlen eine stärker pflanzenbasierte, nachhaltige und kindgerechte Ernährung.
Das bedeutet konkret:
- mehr Gemüse, Vollkornprodukte und Hülsenfrüchte
- weniger Fleisch
- eine altersgerechte Anpassung für U3- und Ü3-Kinder
Warum das relevant ist, zeigen aktuelle Daten. Die sogenannte KiESEL-Studie des Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) weist darauf hin, dass Süßigkeiten und Softdrinks bei Kleinkindern bis zu 36 % der täglichen Energiezufuhr ausmachen können. Empfohlen werden maximal 10 %. Kitas übernehmen damit eine einflussreiche Rolle in der Gesundheitsprävention.
Beteiligung verändert Essverhalten
Forschung bestätigt, was pädagogische Fachkräfte seit Langem beobachten. Kinder essen ausgewogener, wenn sie aktiv beteiligt sind. Studien wie die KAHUpE-Untersuchung des Max Rubner-Institut zeigen, dass die Akzeptanz pflanzenbasierter Ernährung deutlich steigt, wenn Kinder in Zubereitungsprozesse eingebunden sind.
In der AWO Kita „Klinikzwerge“ ist das gelebte Praxis. Ein Beispiel ist die gemeinsame Zubereitung von Vollkornpizza:
„Zuerst gehen wir gemeinsam einkaufen, dann wird in der Kita geschnibbelt. Obwohl der Teig aus Vollkornmehl ist – was viele Kinder von zu Hause gar nicht kennen – finden sie die Pizza am Ende richtig lecker. Wer selbst Hand angelegt hat, entwickelt einen ganz anderen Stolz und Appetit.“
Celina Senger, Leiterin AWO Kita Klinikzwerge
- Gemeinsames Schnibbeln und Belegen. Kinder bereiten Gemüse für eine Mahlzeit vor.
- Selbst gemacht schmeckt besser. Ein Kind belegt eine Vollkornpizza mit Gemüse.
Regionale Strukturen stärken Qualität
In Baden-Württemberg greifen verschiedene Ebenen ineinander. Programme wie die Landesinitiative BeKi (Bewusste Kinderernährung) unterstützen Einrichtungen ebenso wie regionale Erzeugerstrukturen.
Ergänzt wird dies durch das AWO-eigene Verpflegungskonzept AWOKADO, das Ernährung, Bildung und Nachhaltigkeit systematisch verbindet.
Auch auf Bundesebene gewinnt das Thema an Bedeutung. Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) hat zum 1. April 2026 ein Forschungsvorhaben gestartet, das die Umsetzung der DGE-Standards bundesweit untersucht.
Die Praxis in Karlsruhe zeigt bereits, wie diese Anforderungen konkret umgesetzt werden können.
Nachhaltige Ernährung beginnt im Alltag
Ernährungsbildung in der Kita wirkt langfristig. Kinder entwickeln früh ein Verständnis für Lebensmittel, Geschmack und Herkunft. Sie lernen, Verantwortung zu übernehmen und eigene Entscheidungen zu treffen. Was in der Kita beginnt, prägt Gewohnheiten über Jahre hinweg.
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