Nachhaltigkeitsbildung in den AWO-Kitas
28.08.2026 / AWO Karlsruhe gemeinnützige GmbH
Nachhaltigkeit ist in allen Kitas der AWO Karlsruhe ein wichtiges Bildungsthema. Kinder lernen, Natur und Ressourcen bewusst wahrzunehmen, Zusammenhänge zu verstehen und ihre Lebenswelt mitzugestalten. Wie daraus ein konkreter Lernprozess wird, zeigt ein Klimazonenprojekt unserer integrativen Kita im Weiherwald.

Wo leben welche Tiere? Auf einer selbst gestalteten Weltkarte ordnen die Kinder verschiedene Tierarten den passenden Klimazonen zu.
Nachhaltigkeit als Bildungsaufgabe in den AWO-Kitas
Nachhaltigkeitsbildung findet nicht nur in einzelnen Aktionen statt. Sie zeigt sich im täglichen Umgang mit Energie, Wasser, Materialien und Lebensmitteln ebenso wie in der Begegnung mit Pflanzen, Tieren und ihren Lebensräumen. Die Kinder werden dabei altersangemessen in die gemeinsame Verantwortung für unsere Welt miteinbezogen und erleben sich als kompetent und wirksam. Sie erhalten die Möglichkeit, Fragen zu stellen, Zusammenhänge zu entdecken und Handlungsmöglichkeiten in ihrem Alltag zu erproben.
Der 2025 weiterentwickelte Orientierungsplan Baden-Württemberg hat Bildung für nachhaltige Entwicklung ausdrücklich aufgenommen. Als Querschnittsthema verbindet sie Wahrnehmen und Denken, Sprache und Kommunikation, Bewegung, soziale Entwicklung und Beteiligung. Die AWO-Kitas greifen diesen Bildungsauftrag entsprechend dem Profil und dem Alltag der jeweiligen Einrichtung auf.
Ein Beispiel dafür ist die AWO Kita im Weiherwald. Dort erschlossen sich acht Schulanfänger*innen sechs Wochen lang über Tiere, Bewegung, Geschichten und eigene Beobachtungen die Klimazonen und den Klimawandel. Der Leitgedanke: Klimabildung beginnt mit Neugier. Wer Lebensräume und Tiere kennenlernt, kann verstehen, warum ihr Schutz wichtig ist.
Aktueller Anlass: Woche der Klimaanpassung
Vom 14. bis 20. September 2026 macht die bundesweite Woche der Klimaanpassung sichtbar, wie Kommunen, Verbände, soziale Einrichtungen und weitere Akteur*innen auf die bereits spürbaren Folgen des Klimawandels reagieren. Für Kitas eröffnet das Anknüpfungspunkte, um beispielsweise Hitze, Trockenheit oder Starkregen altersgerecht aufzugreifen: Was hilft an heißen Tagen? Wo finden Menschen und Tiere Schatten und Wasser? Und wie können Außengelände widerstandsfähiger gestaltet werden?
Das Klimazonenprojekt der AWO Kita im Weiherwald ist keine einzelne Maßnahme zur Klimaanpassung. Es schafft jedoch eine wichtige Grundlage: Die Kinder lernen, wie Klima, Lebensräume und die Bedürfnisse von Tieren zusammenhängen. So können sie verstehen, warum Klimaschutz und die Anpassung an Klimafolgen gemeinsam gedacht werden müssen.
Weitere Informationen: Woche der Klimaanpassung 2026
Praxisbeispiel: Der Eisbär passt nicht zum Pinguin
Ein Eisbär frisst im Pinguin-Bewegungslied die Pinguine. Doch plötzlich fällt den Kindern auf: Das kann in der Natur gar nicht passieren. Eisbären leben in der Arktis rund um den Nordpol, Pinguine auf der Südhalbkugel. Die Gruppe sucht ein Tier, das zum Lebensraum der Pinguine passt, und verändert das Spiel. Aus einer kleinen Irritation wird ein Lernmoment: Tiere leben nicht irgendwo, sondern sind an bestimmte Klimazonen und Lebensräume angepasst.
Solche Entdeckungen prägten das gesamte Projekt. Die acht Schulanfänger*innen trafen sich über rund sechs Wochen. Jede neue Station begann mit einer Traumreise: In der Vorstellung stieg die Gruppe in ein U-Boot, fuhr durch den Ozean und tauchte an der nächsten Klimazone wieder auf. Die Reise führte von der Polarzone im Norden über die gemäßigte Zone, die Subtropen und Tropen bis zur Polarzone im Süden.
Tiere machen Klimazonen anschaulich
In der Arktis begegneten den Kindern Eisbär, Robbe und Narwal. In der gemäßigten Zone, in der auch Karlsruhe liegt, beschäftigten sie sich unter anderem mit Reh, Braunbär, Eule und Wolf. Weitere Tiere führten durch Subtropen, Tropen und Antarktis. Entscheidend war nicht, möglichst viele Arten auswendig zu lernen. Die Kinder sollten Unterschiede wahrnehmen und Zusammenhänge herstellen: Welche Temperaturen braucht ein Tier? Was findet es zu fressen? Wo kann es sich schützen und seinen Nachwuchs aufziehen?

Welche Spuren, Nahrung und Rückzugsorte gehören zu welchem Tier? Mit Bildkarten ordneten die Kinder Eule, Wolf, Reh und Braunbär typische Merkmale ihres Lebensraums zu.
Die pädagogischen Fachkräfte wechselten bewusst zwischen Erzählen, Bewegung, Gestalten und Erkunden. Die Kinder gestalteten einen Eisbären und sprachen über seine Anpassung an die Kälte. Bei einer Schnitzeljagd im Weiherwald fanden sie Umschläge mit Tiermerkmalen und ordneten die Hinweise den passenden Arten zu. In Bewegungsgeschichten ahmten sie Tiere nach. Zum Abschluss betrachteten sie die Weltkarte noch einmal gemeinsam, erinnerten sich an die Stationen und bereiteten aus Früchten verschiedener Regionen einen „Welt-Smoothie“ zu.
Mit Kindern über Klimawandel sprechen, – angemessen und ohne Angst zu machen
Über Tiere und Lebensräume kamen die Kinder auch auf den Klimawandel zu sprechen. Sie wussten bereits, dass Eis in den Polarregionen schmilzt und dass es auch in Karlsruhe sehr heiße Wochen gibt. Einzelne Kinder nannten Überschwemmungen und andere Extremereignisse. Die Fachkräfte griffen dieses Wissen auf, ordneten es altersgerecht ein und blieben bei beobachtbaren Zusammenhängen: Wenn sich Temperaturen und Niederschläge verändern, verändert sich auch der Lebensraum von Tieren und Pflanzen.
Im Vordergrund standen Handlungsmöglichkeiten, die sie verstehen und im Alltag erproben können. Die Kinder nannten selbst Beispiele: Licht ausschalten, wenn niemand im Raum ist, beim Zähneputzen das Wasser nicht laufen lassen, häufiger Fahrrad fahren und Abfälle richtig trennen. Eine ihrer Ideen: Bilder auf den Mülleimern könnten auch jüngeren Kindern zeigen, was wohin gehört.
Auch beim Essen dachten die Kinder weiter. Sie stellten fest, dass Erdbeeren nicht im Winter gegessen werden müssen und dass saisonale Lebensmittel gerade deshalb etwas Besonderes bleiben. Solche Gedanken zeigen, dass Klimabildung nicht bei fertigen Regeln beginnt. Sie entsteht, wenn Kinder Fragen stellen, vorhandenes Wissen einbringen und gemeinsam nach Lösungen suchen.
| Klimabildung – orientiert am Entwicklungsstand der Kinder und ohne Überforderung
Bei konkreten Tieren, Orten und Alltagserfahrungen beginnen – nicht bei abstrakten Katastrophenszenarien. Fragen ehrlich beantworten und deutlich machen, dass Erwachsene und gesellschaftliche Institutionen Verantwortung tragen. Wissen mit Handlungsmöglichkeiten verbinden, ohne aus Kindern kleine Klimaretter*innen machen zu müssen. Gefühle und Sorgen ernst nehmen und das Thema im Gespräch immer wieder einordnen. |
Nachhaltigkeit zeigt sich in vielen kleinen Entscheidungen
Das Klimazonenprojekt ist ein konkretes Beispiel für eine Nachhaltigkeitsbildung, die im Kita-Alltag weitergeht. Papier wird möglichst vollständig und auf beiden Seiten genutzt. Beschädigte Bücher werden zunächst repariert, statt sofort ersetzt zu werden. Beim Zähneputzen achten Kinder und Erwachsene auf einen bewussten Umgang mit Wasser.
Auch die naturnahe Lage der Kita am Waldrand schafft viele Anlässe. Im Garten pflegen die Kinder Hochbeete, Kräuter, Erdbeeren und Tomaten. Wasserschalen helfen Vögeln an heißen Tagen. Insekten, Zauneidechsen und andere Tiere werden beobachtet und als wichtiger Teil der Natur besprochen. Im Team entstanden außerdem Ideen für Licht- und Mülltrenn-Dienste der Kinder sowie für eine Tauschmöglichkeit, über die Familien Kleidung, Laufräder oder andere gut erhaltene Dinge weitergeben könnten. Diese Vorhaben befinden sich teilweise noch in der Planung.
Nachhaltigkeit als übergreifende Aufgabe
Klimaschutz und nachhaltiges Handeln sind übergeordnete Themen der gesamten AWO Karlsruhe und eng mit dem Anspruch sozialer Gerechtigkeit verbunden. Denn die Folgen des Klimawandels spüren alle Menschen, insbesondere vulnerable Menschen, etwa in Pflegeeinrichtungen und besonderen Wohnformen. Unser Klimaschutzmanagement betrachtet deshalb organisationsweit die Bereiche Gebäudeenergie, Mobilität, Verpflegung und Beschaffung und entwickelt auf Grundlage der CO₂-Bilanzen gemeinsam mit den Einrichtungen konkrete Maßnahmen zur Senkung der Emissionen. In den Kitas wird dieser Anspruch zugleich zum Bildungsauftrag: Kinder lernen, Natur und Ressourcen bewusst wahrzunehmen und ihre Lebenswelt mitzugestalten. Das Klimazonenprojekt im Weiherwald zeigt beispielhaft, wie der übergreifende Klimaschutz- und Nachhaltigkeitsanspruch der AWO Karlsruhe pädagogisch aufgegriffen wird.

Aus dem Projekt entstanden konkrete Ideen für den Alltag. Eine Klimaschutz-Checkliste hält fest, was Kinder selbst beitragen können.
Wie es nach dem Schulwechsel weitergehen kann
Die acht Kinder aus der ersten Klimazonen-Reise starten jetzt in die Schule. Die Kita will das Projekt im neuen Kitajahr mit einer neuen Kinder-Gruppe fortsetzen und auch erweitern. Geplant ist, länger in den einzelnen Klimazonen zu verweilen und das Projekt über einen größeren Zeitraum anzulegen. Ebenso ein Abschluss in der KLIMA ARENA in Sinsheim ist als Idee im Gespräch.
Mitmachidee: Tiere auf Klimazonen-Reise
Für diese einfache Aktivität genügen eine Weltkarte oder ein Globus und selbst gemalte Tierkarten. Geeignet sind zum Beispiel Eisbär, Robbe, Reh, Wolf, Kamel, Elefant, Affe und Pinguin. Erwachsene müssen nicht alle Antworten kennen. Entscheidend ist, gemeinsam nachzudenken und bei offenen Fragen in einem Buch oder auf einer verlässlichen Kinderseite nachzuschauen.
- Klimazonen finden: Gemeinsam auf der Karte von Norden nach Süden wandern und kalte, gemäßigte und warme Regionen markieren.
- Tiere zuordnen: Jedes Tier bekommt einen Platz. Mehrere Möglichkeiten dürfen zunächst nebeneinanderliegen und anschließend überprüft werden.
- Lebensräume vergleichen: Was braucht das Tier – Eis, Wald, Wasser, Schatten, bestimmte Pflanzen oder andere Tiere?
- Vor der Haustür weiterforschen: Ein heimisches Tier auswählen und bei einem Spaziergang nach Spuren, Nahrung und geeigneten Rückzugsorten suchen.
Eine gute Abschlussfrage lautet: Was müsste erhalten bleiben, damit dieses Tier hier weiter leben kann? So führt die Aktivität vom Zuordnen zum Schutz von Lebensräumen – ohne den Kindern einfache Antworten vorzugeben.
- Stadt Karlsruhe: Umwelt und Klima
- Zentrum KlimaAnpassung: Woche der Klimaanpassung 2026
- Staatliches Museum für Naturkunde Karlsruhe: Ausstellungen und Angebote für Kinder
- KLIMA ARENA Sinsheim: Angebote für Familien, Schulen und Kitas
- NABU: Was biologische Vielfalt bedeutet
- Kultusministerium Baden-Württemberg: Weiterentwickelter Orientierungsplan
Fotos: AWO Karlsruhe gemeinnützige GmbH