Zwei Köche in weißer Arbeitskleidung stehen nebeneinander in einer Großküche und schneiden Gemüse auf Schneidebrettern. Beide lächeln in die Kamera. Im Hintergrund sind Edelstahlgeräte und weitere Küchenelemente zu sehen.Nachhaltige Gemeinschaftsverpflegung als Hebel für Klimaschutz

Was in Kindertagesstätten und Senior*inneneinrichtungen täglich auf den Tisch kommt, wirkt weit über den Moment der Mahlzeit hinaus. Gemeinschaftsverpflegung berührt Fragen von Gesundheit, Klimaschutz und sozialer Verantwortung zugleich. Die AWO Karlsruhe setzt deshalb gezielt auf eine klimafreundlichere Ausrichtung ihrer Verpflegung und hat dieses Thema mit einem Praxisworkshop in den Mittelpunkt gerückt.

Warum Ernährung in sozialen Einrichtungen eine Schlüsselrolle spielt

Soziale Einrichtungen tragen Verantwortung für viele Menschen. In Kitas, Pflegeeinrichtungen und weiteren Angeboten der AWO Karlsruhe werden täglich zahlreiche Mahlzeiten zubereitet und ausgegeben. Damit verbunden sind Entscheidungen über Einkauf, Speisepläne und Zubereitung, die den ökologischen Fußabdruck ebenso beeinflussen wie das Wohlbefinden der Menschen, die dort essen.

Vor dem Hintergrund des Klimawandels gewinnt dieser Bereich an Bedeutung. Eine ausgewogene, stärker pflanzenbasierte Ernährung kann Emissionen reduzieren und gleichzeitig die Gesundheit fördern. Nachhaltigkeit wird so zu einer Frage des Alltags und zu einer Aufgabe, die soziale Arbeit konkret mitgestalten kann.

Praxisworkshop in der AWOKADO-Küche

In Ettlingen fand dazu ein Praxisworkshop zur nachhaltigen Gemeinschaftsverpflegung statt. Veranstaltungsort war die AWOKADO-Küche der AWO Karlsruhe, von der aus täglich rund 1.400 Mittagessen zubereitet und an Kitas, Einrichtungen der Stadt Karlsruhe sowie an weitere Träger ausgeliefert werden. Die Küche ist damit ein zentraler Ort für Gemeinschaftsverpflegung in der Region.

Geleitet wurde der Workshop von Martin Horn, Koch, Küchenleiter und Fachkoordinator Küchen der AWO Seniorenzentren Brandenburg gGmbH, sowie von Saskia Wendt, Ökotrophologin und wissenschaftliche Mitarbeiterin im Handlungsfeld Ernährung und Planetary Health bei der Deutschen Allianz Klimawandel und Gesundheit. Gemeinsam brachten sie Perspektiven aus Küchenpraxis, Ernährungswissenschaft und Gesundheitsprävention zusammen und gestalteten sowohl theoretische als auch praktische Arbeitsphasen. Neben dem AWOKADO-Küchenteam nahmen Mitarbeitende aus der Gemeinschaftsverpflegung für Senior*innen teil.

Klimaschutz, Gesundheit und Qualität zusammendenken

Der Workshop war Teil des bundesweiten Projekts „KidZ – Köstlich in die Zukunft“, das vom AWO Bundesverband gemeinsam mit der Deutschen Allianz Klimawandel und Gesundheit umgesetzt und vom BKK Dachverband gefördert wird. Ziel des Projekts ist es, die Gemeinschaftsverpflegung in AWO-Einrichtungen schrittweise nachhaltiger auszurichten und Gesundheit, Qualität und Klimaschutz miteinander zu verbinden.

Der Handlungsbedarf ist hoch. Untersuchungen zeigen, dass ein erheblicher Teil der Treibhausgasemissionen in Pflegeeinrichtungen auf die Verpflegung entfällt. Gleichzeitig liegt der Fleischverzehr in vielen Einrichtungen deutlich über den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung. Eine stark fleischbetonte Ernährung kann insbesondere bei älteren und vorerkrankten Menschen gesundheitliche Risiken erhöhen.

Vor diesem Hintergrund beschäftigte sich der theoretische Teil des Workshops mit den Zusammenhängen zwischen Ernährung, Gesundheit und Klimaschutz. Diskutiert wurde, welche Lebensmittel gut angenommen werden, wie sich pflanzenbasierte Komponenten sinnvoll in bestehende Speisepläne integrieren lassen und wo im Küchenalltag realistische Ansatzpunkte liegen.

Vom Wissen zur Umsetzung im Küchenalltag

Im anschließenden Kochworkshop erprobten die Teilnehmenden in Kleingruppen neue Rezepte für Frühstück, Mittag- und Abendessen. Der Fokus lag auf nährstoffreichen, schmackhaften und alltagstauglichen Gerichten mit reduziertem Fleischanteil. Die gemeinsam gekochten Speisen wurden verkostet und gemeinsam reflektiert. Im Mittelpunkt stand die Frage, welche Gerichte sich gut in bestehende Abläufe integrieren lassen und bei den Menschen tatsächlich ankommen.

Deutlich wurde, dass klimafreundliche Gemeinschaftsverpflegung kein Verzichtsprogramm ist. Sie kann die Qualität der Mahlzeiten erhöhen, zur Gesundheit beitragen und zugleich den ökologischen Fußabdruck sozialer Einrichtungen reduzieren.

Klimaschutz als Teil des sozialen Auftrags

Der Praxisworkshop ist Teil des umfassenden Klimaschutzengagements der AWO Karlsruhe. Der Klimawandel betrifft soziale Einrichtungen und die Menschen, die sie begleiten, in besonderer Weise. Hitzeperioden und andere klimatische Veränderungen wirken sich direkt auf Kinder, ältere Menschen und Personen in besonderen Wohnformen aus. Klimaschutz wird deshalb als Teil des sozialen Auftrags verstanden. Soziale Gerechtigkeit und ökologische Verantwortung gehören zusammen.

Vor diesem Hintergrund wurde im Mai 2025 eine Stelle für das Klimaschutzmanagement bei der AWO Karlsruhe geschaffen. Aufgabe des Klimaschutzmanagements ist es, Maßnahmen zu bündeln, Prozesse zu koordinieren und Klimaschutz langfristig in der Organisation zu verankern. Die Stelle wird im Rahmen der Nationalen Klimaschutzinitiative durch das Bundesministerium für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit gefördert.

Logos BM Umwelt Naturschutz nukleare Sicherheit und Nationale Klimaschutzinitiative AWO Karlsruhe

Januar 2025