Wir möchten Ihnen einen Einblick in die Arbeit unserer Migrationsberatung (MBE) für erwachsene Zuwanderer*innen geben. In einer mehrteiligen Serie stellen wir Ihnen die Aufgabenbereiche und Zielgruppen der MBE vor. Den Auftakt machte ein Beitrag über die Beratung von Klienten*innen aus EU-Mitgliedsstaaten in Südosteuropa. Im zweiten Teil geht es um die Beratung von Migrant*innen aus den Westbalkanstaaten, die bisher keine EU-Mitgliedstaaten sind. Dazu gehören die Nachfolgestaaten des ehemaligen Jugoslawiens, dies sind Albanien, Bosnien-Herzegowina, Kosovo, Montenegro, Nord-Mazedonien und Serbien. Dass wir diese Gruppe als zweites vorstellen, hängt damit zusammen, dass die Zahlen an Ratsuchenden im vergangenen Jahr bei uns stark angestiegen sind. Dies ist darauf zurückzuführen, dass die MBE seit Februar 2021 eine serbisch/bosnisch sprechende Mitarbeiterin hat. Das spricht sich in der Community, aber auch bei den Beratungsstellen schnell herum.

Beratung von Migrantinnen aus den Westbalkanstaaten AWO Karlsruhe

Viele der Klient*innen haben Karlsruhe als ihre neue Heimat gewählt, weil bereits Familienangehörige hier leben. Auch die sogenannte „Westbalkanregelung“ hat zur Folge, dass Staatsangehörige aus dieser Region auswandern, um sich hier ein neues Leben aufzubauen. Dabei handelt es sich um eine spezielle Regelung der Zuwanderung im Rahmen eines Kontingents. Diese ermöglicht seit 2016 den Staatsangehörigen von Albanien, Bosnien und Herzegowina, Kosovo, Montenegro, Nord-Mazedonien und Serbien den Aufenthalt zur Erwerbstätigkeit in Deutschland – unabhängig von einer formalen Qualifikation.

Arbeitsplatzangebot ermöglicht Teilnahme am Losverfahren

Voraussetzung ist zunächst die Beantragung eines Visums bei den zuständigen Botschaften im Heimatland und das Vorliegen eines konkreten Arbeitsplatzangebotes in Deutschland. Bedingung für die Visumerteilung ist die Zustimmung der Bundesagentur für Arbeit, die den Arbeitsvertrag prüft. Aufgrund der sehr hohen Nachfrage nach Antragsterminen werden seit Dezember 2021 die Termine monatlich per Zufallsgenerator in einem Losverfahren vergeben. Wenn die Personen kein Glück hatten, können sie sich im folgenden Monat wieder registrieren – vorausgesetzt, das Jobangebot ist noch da. Diese Regelung ist bis zum 31. Dezember 2023 befristet. Viele der Migrant*innen, die aus dem Gebiet des Westbalkan zu uns in die Beratung kommen, sind berufstätig. Sie arbeiten vorwiegend im Bau-, Pflege-, Sanitär- und Reinigungsgewerbe.

Unterstützungsmöglichkeiten sind vielfältig

Es gibt auch Ehegatt*innen, die vor Kurzem nach Deutschland nachgezogen und noch auf Arbeitssuche sind. Hier steht der Spracherwerb an erster Stelle. Wieder andere leben schon länger in Deutschland und sind bereits in Rente. Im Allgemeinen stehen sie vor ähnlichen Herausforderungen wie EU-Bürger*innen aus Südosteuropa und benötigen Unterstützung bei der Vermittlung von Informationen in ihrer Muttersprache, bei der Suche nach einem geeigneten Sprachkurs, nach Kita- und Schulplätzen, bei Fragen zur sozialen Sicherung und zum Aufenthalt. Dabei kooperieren wir häufig mit anderen Beteiligten und regionalen Regeldiensten (z. B. Sprachkursträgern, der Ausländerbehörde, Schulen und Kitas, Agentur für Arbeit und Jobcenter, Unternehmen, Rechtsbeistände, Botschaften, Schulen und Kitas etc.).

Für den Großteil unserer Klient*innen aus den Westbalkanstaaten bricht der Kontakt zum Heimatland nie ab. Viele unterstützen die verbliebenen Familienangehörigen finanziell und besuchen sie während der Urlaubszeit. Je länger sie in Deutschland leben, die Sprache lernen und berufliche Erfolge erleben und ihre Kinder hier aufwachsen sehen, desto mehr wächst auch ihre Heimatverbundenheit zu Karlsruhe als zweite Heimat.