06.08.2026 / AWO Karlsruhe gemeinnützige GmbH
Rosmarin, Salbei, Petersilie und Zitronenmelisse: Zum bundesweiten Tag der Heilkräuter am 15. August zeigt unsere Kneipp-zertifizierte Kita am Haydnplatz, wie Kinder Kräuter mit allen Sinnen kennenlernen, ernten und verarbeiten. Das Angebot macht zugleich sichtbar, wie das Kneipp-Konzept, die Gesundheitsförderung der AWO und der Orientierungsplan für Bildung und Erziehung in baden-württembergischen Kindertageseinrichtungen und Kindertagespflege im Kita-Alltag ineinandergreifen.
- Im Garten lernen die Kinder gemeinsam mit Laura Schweickart verschiedene Kräuter kennen.
- Ansehen, riechen und probieren: Die Kräuter werden mit mehreren Sinnen erkundet.
Vier Kinder stehen mit der pädagogischen Fachkraft Laura Schweickart an den Hochbeeten im Garten. Sie betrachten die Blätter, reiben sie vorsichtig zwischen den Fingern und vergleichen die Düfte. Rosmarin riecht kräftig und würzig, Zitronenmelisse frisch und zitronig. Probiert wird erst, nachdem die Kräuter eindeutig bestimmt sind und eine erwachsene Person zugestimmt hat. Dann schneiden die Kinder geeignete Blätter ab und tragen ihre Ernte gemeinsam in die Küche.
Anlässlich des bundesweiten Tags der Heilkräuter am 15. August beschäftigten sich die Kinder der deutsch/französischen AWO Kita am Haydnplatz bereits Ende Juli besonders intensiv mit der Welt der Kräuter. Als Kneipp-zertifizierte Einrichtung greift die Kita damit eines der fünf Elemente ihres pädagogischen Gesundheitskonzepts gezielt auf. Unter dem Jahresmotto „Fünf gewinnt – die Kraft der Kneippschen Elemente“ verweist der Kneipp-Bund 2026 auf das Zusammenspiel von Wasser, Bewegung, Ernährung, Heilpflanzen und Lebensordnung beziehungsweise Balance. Die Beschäftigung mit Kräutern gehört in der Kita allerdings nicht nur im Vorfeld des Aktionstags zum Programm: Pflanzen, Gießen, Beobachten, Ernten und Verarbeiten sind über das Jahr hinweg fest im Alltag verankert.
Vom Kräuterbeet in die Schüssel
Drinnen verteilten sich die Kinder an Schneidebrettern. Mit kindgerechten Messern zerkleinerten sie Petersilie, Rosmarin, Salbei und Zitronenmelisse. Laura Schweickart zeigte, wie Stiele entfernt, die Kräuter sicher gehalten und die Blätter möglichst fein geschnitten werden. Danach gaben die Kinder ihre Kräuter in den Quark. Jedes Kind durfte umrühren.
Aus Minze, Limette und kaltem Wasser entstand zusätzlich ein erfrischendes Sommergetränk. Die Limette wurde von der Fachkraft vorbereitet. Unter enger Begleitung schnitten die Kinder die Scheiben kleiner, drückten sie über der Karaffe aus und zerdrückten die Minzblätter leicht mit den Händen, damit sich ihr Duft entfalten konnte. Danach wurde gemeinsam probiert.
- Laura Schweickart zeigt einem Kind ein Kräuterblatt, bevor es weiterverarbeitet wird.
- Unter Anleitung der pädagogischen Fachkraft Laura Schweickart bereiten Kinder der AWO Kita am Haydnplatz aus frisch geernteten Kräutern einen Kräuterquark zu.
Gerade die Pfefferminze eröffnet mit ihrem intensiven Duft und frischen Geschmack einen unmittelbaren Zugang zum Kneippschen Element Heilpflanzen. Kinder können dabei wahrnehmen, was sie als wohltuend oder erfrischend erleben. Es geht um einen ersten, sicheren Zugang zu Heilpflanzenwissen, um Körperwahrnehmung und um die Erfahrung, selbst etwas zum eigenen Wohlbefinden beitragen zu können.

Die fein geschnittenen Kräuter kommen gemeinsam in den Quark.
In diesen einfachen Handlungen steckt viel Bildung: Die Kinder erweitern ihren Wortschatz, unterscheiden Gerüche und Geschmäcker, üben feinmotorische Bewegungen und übernehmen nacheinander Aufgaben. Vor allem erleben sie Selbstwirksamkeit. Aus etwas, das sie selbst gepflegt und geerntet haben, entsteht gemeinsam eine Mahlzeit.
Tag der Heilkräuter und Kneipp-Konzept
Das Kräuterangebot steht exemplarisch für das Kneipp-Konzept, das in mehreren Kindertageseinrichtungen der AWO Karlsruhe Teil der pädagogischen Arbeit ist. Es macht Gesundheitsförderung für Kinder im Alltag erfahrbar: bei Bewegung und Entspannung, beim Essen und Trinken, in der Natur und im sozialen Miteinander. Die fünf Elemente werden dabei nicht isoliert vermittelt: Beim Ernten und Zubereiten verbinden sich Heilpflanzen mit Ernährung, Bewegung, Wahrnehmung, gemeinsamer Aktivität und Ruhe.
Damit fügt sich das Kneipp-Konzept zugleich in die Karlsruher Handlungsempfehlungen „Gesund aufwachsen“ ein. Sie richten den Blick auf Kindertageseinrichtungen als gesundheitsfördernde Lebenswelt und heben insbesondere Bewegung und Verpflegung hervor. Die AWO Kita am Haydnplatz wurde im Dezember 2025 erneut als Kneipp-Einrichtung zertifiziert; die Rezertifizierung gilt für zwei Jahre.
Warum die AWO Karlsruhe auf das Kneipp-Konzept setzt
Der Impuls zur Einführung des Kneipp-Konzepts in mehreren AWO-Kitas entstand bei der Entwicklung eines übergreifenden Gesundheitskonzepts für die Einrichtungen. Ausgangspunkt war die Frage, wie Kinder früh gesunde Lebensweisen kennenlernen und erfahren können, dass sie ihr Wohlbefinden aktiv mitgestalten können. Die Ergebnisse der Kommunalen Gesundheitskonferenz „Gesund aufwachsen“ bestärkten den Ansatz, Kindertageseinrichtungen als gesundheitsfördernde Lebenswelten zu gestalten.
„Kinder sollen früh erleben, was ihnen und ihrem Körper guttut. Das Kneipp-Konzept verbindet Bewegung, Ernährung, Heilpflanzen, Wasser und Balance mit konkreten Alltagserfahrungen. Die Kinder lernen, die Signale ihres Körpers wahrzunehmen, entdecken eigene Handlungsmöglichkeiten und erfahren Selbstwirksamkeit. Damit legen wir bereits in der Kita einen wichtigen Grundstein für einen bewussten Umgang mit der eigenen Gesundheit und für ein gesundes Leben“, erklärt Esther Marggrander, Geschäftsbereichsleiterin Kindertagesstätten der AWO Karlsruhe.
Ein Gesundheitskonzept für Kinder und Fachkräfte
Im Kneipp-Konzept fand die AWO Karlsruhe einen ganzheitlichen Rahmen, der viele Inhalte des Orientierungsplans miteinander verbindet: Bewegung, Ernährung, Naturerfahrung, Selbstständigkeit und Balance. Ergänzt werden sie durch Kneipp-spezifische Anwendungen wie Güsse und Wickel. Entscheidend ist, dass die fünf Elemente nicht nur in einzelnen Aktionen vorkommen, sondern dauerhaft in den Kita-Alltag einfließen. Das betrifft auch die pädagogischen Fachkräfte: Das Konzept kann nur tragen, wenn sie seine Inhalte kennen, im Alltag umsetzen und selbst mittragen.

Bücher und weitere Materialien unterstützen die pädagogische Arbeit rund um Kräuter, Garten und das Kneipp-Konzept.
| Tag der Heilkräuter 2026
Der Kneipp-Bund stellt am 15. August bundesweit das Element Heilpflanzen in den Mittelpunkt. Das Jahresmotto 2026 lautet „Fünf gewinnt – die Kraft der Kneippschen Elemente“ und verweist auf das Zusammenspiel von Wasser, Bewegung, Ernährung, Heilpflanzen und Lebensordnung. |
Gesundheit als Bildungsaufgabe im Orientierungsplan
Der weiterentwickelte Orientierungsplan für Bildung und Erziehung in baden-württembergischen Kindertageseinrichtungen beschreibt Gesundheit nicht als Zusatzthema, sondern als Teil frühkindlicher Bildung. Im Bildungs- und Entwicklungsfeld „Körper und Lebensweise“ sollen Kinder Selbstständigkeit, Selbstbestimmung und Selbstwirksamkeit im Umgang mit ihrem Körper, ihrer Ernährung und ihrem Bewegungsverhalten entwickeln. Essen und Trinken sind dabei Alltagssituationen, in denen Kinder mitgestalten und lernen können.
Beim Kräuterangebot wird diese Verbindung konkret: Die Kinder unterscheiden Gerüche, Formen und Geschmäcker, benennen ihre Wahrnehmungen, üben feinmotorische Bewegungen und stimmen Arbeitsschritte miteinander ab. Weil sie selbst schneiden, rühren und probieren, erleben sie unmittelbar, dass ihr Handeln zu einem gemeinsamen Ergebnis führt.
Auch Bildung für nachhaltige Entwicklung wird in einem überschaubaren Kreislauf erfahrbar: Pflanzen brauchen Zeit und Pflege, bevor sie geerntet und genutzt werden können. So führt der Weg von der konkreten Begegnung am Hochbeet über das Kneipp-Konzept zu einem zentralen Ziel der pädagogischen Arbeit: Kinder darin zu stärken, Gesundheit und Alltag zunehmend selbst mitzugestalten.
- Beim Schneiden der Limette begleitet Laura Schweickart das Kind Schritt für Schritt.
- Minze, Limette und kaltes Wasser ergeben ein erfrischendes Sommergetränk.
- Zum Abschluss probieren die Kinder das selbst zubereitete Getränk
| Sicher mit Kräutern arbeiten
Nur eindeutig bestimmte, essbare Küchenkräuter verwenden und unbekannte Pflanzen nicht probieren. Kräuter vor dem Verarbeiten gründlich waschen und auf Allergien oder Unverträglichkeiten achten. Messer, Nähmaschine und heiße Flüssigkeiten nur unter unmittelbarer Begleitung von Erwachsenen einsetzen. Ätherische Öle und konzentrierte Kräuterpräparate gehören nicht in dieses Kinderangebot. |
Gesundheitsbilvdung beginnt mit einer eigenen Erfahrung
Ein Kräuterbeet allein macht noch keine Gesundheitsbildung. Entscheidend ist, was Kinder dort tun erfahren: genau hinsehen, Fragen stellen, Verantwortung übernehmen, etwas selbst herstellen und gemeinsam probieren. In der bilingualen AWO Kita am Haydnplatz verbindet das Kneipp-Konzept Naturerfahrung, Ernährung, Sprache und Selbstständigkeit. Ein sicherer, altersgerechter Zugang zu Heilpflanzenwissen gehört dennoch zum Konzept: Verarbeitet werden nur eindeutig bestimmte, für das jeweilige Angebot geeignete Pflanzen unter Begleitung Erwachsener.






